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Rakija (Schnaps) ist ein großes Ding in der kroatischen Gesellschaft. Schnaps aus verschiedenen Früchten, verfeinert durch Zugabe von so verschiedenen Zutaten wie Kräutern, Misteln, Feigen … Alles, was Sie über die „Gesundheitsvorsorge“ auf dem Balkan wissen müssen. .

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Als ich 1992 in die ehemalige Sowjetunion zog, traf ich mich mit einigen lokalen Kollegen in Jekaterinburg, auf einen Drink.

Zumindest dachte ich das.

Die Russen hatten einen Toast, den sie sich zuriefen, während sie mit diesen 200-Gramm-Wodkagläsern anstießen: „Pod Stolom!“

Dies bedeutet wörtlich übersetzt „Unter dem Tisch!“ (sowohl auf Russisch als auch auf Kroatisch). Ich sollte herausfinden, warum. Ungefähr eine Stunde später, als mindestens drei Liter Wodka verschwunden waren, verstand ich den Toast. Es war meine Feuertaufe in der slawischen Art der Gastfreundschaft.

Was dem Russen sein Wodka ist, ist für den Kroaten seine Rakija. Wie auch immer das lokale Feuerwasser heißt, in diesem wundervollen Teil der Welt, es gibt kein Entkommen.

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Ist Rakija tatsächlich so gesund wie man sagt?

Würde ich alles glauben, was ich in Kroatien gehört habe, ich wäre wahrscheinlich schon lange tot. Die medizinischen Fähigkeiten, welche man Rakija nachsagt, sind unglaublich. So soll ein Gläschen jeden Morgen das Immunsystem stärken und reibt man sich damit den Rücken ein, hilft es Kreuzschmerzen zu lindern. Außerdem soll es den Cholesterinspiegel senken sowie die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts. Zwar hab ich noch nie auch nur eine medizinische Abhandlung darüber gelesen, die diese Behauptungen stützen könnte. Aber was ich sagen kann, ist, dass ich in Kroatien einige sehr alte Leute gesehen habe, die sehr gesund aussehen und auf ihre tägliche Rakija-Medizin schwören.

Ich kann jedoch bestätigen, dass zu viel Rakija zu einer direkten Bewusstseinsminderung beiträgt.

Kroaten konsumieren Rakija am häufigsten als Aperitif, da es angeblich die Verdauung verbessert. Das bedeutet, dass es vor jeder Mahlzeit eine „čašica rakije“(ein Glas Rakija) gibt. In Kroatien bedeutet das oft, sobald Sie das Haus von jemandem betreten.

Wie man höfflich nein sagt

Eines der Dinge, die Sie schnell über Rakija in Kroatien lernen, ist, dass jede Familie ihre eigene zu machen scheint. Schlimmer noch, jede Familie, die Rakija herstellt, behautet diese sei die beste Rakija überhaupt. Damit Sie dieser These auch zustimmen können, müssen Sie ein Gläschen trinken.

Nicht alle können ihren Ansprüchen gerecht werden. Tatsächlich wird fast keiner diesem Anspruch gerecht.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Sie den Rest des Tages vergessen können, sobald Rakija auf den Tisch kommt. Die höfliche Wertschätzung von hausgemachter Rakija ermutigt Ihre Gastgeber nur und führt dazu, dass Ihr Glas immer wieder nachgefüllt wird. Spätestens dann merkt man, warum Russen über das Leben unter dem Tisch sprechen, wenn sie sich zuprosten!

Nein zu sagen ist sehr schwer! Sie können versuchen das Argument geltend zu machen, dass Sie fahren müssen, was aber problematisch wird, wenn Sie auf der anderen Straßenseite wohnen. Obwohl ich seit ungefähr 30 Jahren keine Antibiotika mehr genommen habe, überzeuge ich meine kroatischen Mitmenschen immer wieder davon das ich Antibiotika einnehme. Es ist eine perfekte Ausrede.

Die andere Möglichkeit ist, nach Zimmerpflanzen zu suchen und diesen ein wenig Liebe entgegenzubringen, wenn niemand zuschaut.

Wie wird Rakija gemacht?

Hiermit gebe ich zu – ich habe es nie versucht. Aber hier ist ein Mann, der sich die Mühe gemacht hat, ein sehr informatives Video über den Prozess der Rakija Herstellung zu produzieren. Er war sogar nüchtern genug, um die Kamera in die richtige Richtung zu halten.

Kroatische Puristen unter Ihnen könnten sich beschweren, dass es in diesem Rakija-Video um die Herstellung von Rakija in Mazedonien geht. Das stimmt, aber es ist nicht so einfach, qualitativ hochwertige (und nüchterne) Videos aus Kroatien zu finden, welche auf Englisch erklären, wie man diese Wundermedizin herstellt. Außerdem sagten mir Kenner, dass der Prozess in Mazedonien und Kroatien relativ ähnlich ist.

Der grundlegende Prozess ist im obigen Video beschrieben: Sie ernten die Frucht, fermentieren die gehackten Früchte und destillieren dann die fermentierten Früchte. Die in Kroatien am häufigsten verwendeten Früchte sind Pflaumen (zur Herstellung von Šljivovica / Pflaumenschnaps), Aprikosen (Aprikosen- / Aprikosenbrand), Birnen (oft Viljamovka genannt, und in der Flasche selbst befindet sich eine Birnenfrucht!), Quitte (Quittenbrand) und extrem selten Feigen. Es gibt verschiedene Versionen (und Namen) von Rakija, die aus Trauben hergestellt werden. Die Dauer der Gärung ist sehr unterschiedlich. Nach der Gärung muss der Rakija-Meister häufig etwas Wasser hinzufügen, um eine Rakija von akzeptabler Stärke herzustellen.

Und dann, nach Abschluss dieses Prozesses, kommt der zweite Schritt. In diesem Stadium werden dem Grundbrand verschiedene Früchte, Gewürze, Kräuter und andere Zutaten beigefügt, um die komplexeren Aromen zu erhalten.

Šljivovica

Wenn es eine Frucht gibt, die Rakija symbolisiert, ist es sicherlich die Pflaume (Šljiva auf Kroatisch, daher der Name). Die bescheidene Pflaume ist gleichbedeutend mit Rakija in einigen Regionen, insbesondere in Ostkroatien. Šljivovica reift oft in alten Fässern. Wenn Ihnen also ein Pflaumenschnaps angeboten wird und er gelblich ist, können Sie sicher sein, dass er gereift ist. Oder jemand essbare Farben hinzugefügt, um den Schein zu erwecken, das es sich um gereifte Rakija handelt.

Lozovača und / oder Komovica

Um eins Vorneweg klarzustellen. Beide werden aus fermentierten Trauben hergestellt. Der Hauptunterschied besteht darin, dass Sie bei der Herstellung von Lozovača (oft nur „Loza“ genannt, was Rebe bedeutet) die gemahlenen Trauben fermentieren, während Komovica aus den Resten hergestellt wird, welche übrig geblieben sind, nachdem Sie die Trauben zur Herstellung von Wein verwendet haben. Es ist offensichtlich, dass das Getränk aus der gesamten Traube tendenziell von höherer Qualität ist. Aber es gibt auch wirklich gute High-End-Komovica (manchmal auch Tropica genannt), und Sie werden oft nicht in der Lage sein, den Unterschied zwischen den beiden zu erkennen.

Komovica ist die Rakija, welche man als Grundlage für andere Getränke verwendet, indem man der Loza oder der Komovica Zucker und andere Zutaten hinzufügen, um komplexere Aromen zu erhalten.

Travarica, Smokvica, Medica, Biska – Was gibt es sonst noch?

Kroaten machen Schnaps aus fast allem, was sie in die Hände bekommen. Einer der wohlriechendsten Brände, das ich je probiert habe, war eine Rosenblatt-Rakija im Olive Garden Resort in Jadrija bei Šibenik. Für die Herstellung fermentiert man offensichtlich keine Rosenblätter. Sondern man macht einen Sirup aus Rosenblättern und Zucker und dieser wird dann dem Basisbrand (normalerweise Lozovača oder gute Komovica) zugesetzt.

rakija-rose

Kroatien hat eine große Auswahl an wunderbaren und sehr schmackhaften Rakijas, welche ich Ihnen empfehlen möchte. Hier ist eine nicht allumfassende Liste, mit den beliebtesten, aber auch einigen seltsamen, Rakijas:

Travarica ist einer der allgegenwärtigen, buchstäblichen Kräuterschnäpse, er enthält eine Vielzahl von Kräutern, einschließlich Salbei. Smokvica oder Smokovača sind eine alkoholische Hommage an die bescheidene Feige. Meistens werden Feigen nach der Gärung der Loza hinzugefügt, um den typischen süßen, duftenden Geschmack von Feigen dem Brand zuzufügen. Sollten Sie jedoch irgenwdann die Möglichkeit haben einen Feigenbrand zu kosten, dann lassen Sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen . Medica (oder Medovica oder Medovača) bringt Ihre Wertschätzung für Honig auf die nächste Stufe, da es sich um Honig (oft mit einigen Kräutern) handelt, der dem Basisbrand hinzugefügt wird. Rogačica wird aus Rogač (der Frucht vom Johannisbrotbaum) hergestellt, einer Frucht, die in Dalmatien häufig vorkommt und in Kuchen und zur Herstellung von Rogačica verwendet wird. Višnjevac und Orahovac sind normalerweise viel süßere Getränke, die aus Sauerkirschen (Višnjevac) und Walnüssen (Orahovac) hergestellt werden. Zur Herstellung von diesen Aroma – Rakijas, setzt man immer dem Basisbrand ziemlich viel Zucker und das jeweilige Aroma (Honig ,Sauerkirschen, Walnüsse,Johanissbrotbaum usw.) zu.

Biska ist ein Mistelschnaps und eine der gefragtesten Köstlichkeiten. Biska ist eine Spezialität aus Istrien und glänzt jedes Jahr im Oktober beim Grappa-Festival von Istrien. Dieses findet in Hum statt, der offiziell kleinsten Stadt der Welt.

Rakija Festival in Slawonien: Was kann da schon schiefgehen?

Slawonien ist ohne Zweifel das Kernland der kroatischen Rakija. Vielleicht schaffen Sie es an der Küste, sich einer Rakija-Wertschätzung zu entziehen, aber glauben Sie mir im östlichen Kernland haben Sie keine Chance. Es gibt Tage, in denen ich das Gefühl habe, dass Rakija dort wichtiger ist als Wasser.

Und was wäre Kroatien ohne ein Rakija-Festival? Und wo kann man dies besser abhalten als in Slawonien? Wie Sie in dem obigen Video sehen können, war das Dorf Vardarac der stolze Gastgeber eines slawonischen Festivals, auf dem man das Feuerwasser geehrt hat. 2015 wurde es jedoch leider „aus bürokratischen Gründen“ eingestellt.

Pelinkovac

Zwar ist Pelinkovac technisch gesehen KEINE Rakija, trotzdem zählt er zu den berühmteren Schnäpsen von Kroatien. Warum darf der Pelinkovac sich nicht Rakija nennen? Weil es aus, und ich zitiere aus einem Dokument vom kroatischen Landwirtschaftsministerium „Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs“ hergestellt wird , dies bedeutet normalerweise Kartoffeln oder Getreide, nicht Obst. Darüber hinaus hat Pelinkovac normalerweise einen Alkoholgehalt von etwa 31 %, und richtige Rakija viel stärker.

Pelinkovac ist ein traditionelles Getränk mit mehr als 150 Jahren Tradition. Auf dem kroatischen Markt sind verschiedene Versionen von Pelinkovac erhältlich. Die Basis des Pelinkovac-Geschmacks ist Wermutkraut mit Fenchel, Salbei, Minze und anderen Kräutern. Es ist dem Jägermeister nicht unähnlich und wird meistens als Digestif serviert. Die Geschichte von Pelinkovac ist faszinierend und Sie können im obigen Video alles darüber erfahren.

And the winner is…

rakija snake

Im ganzen Land gibt es viele, viele weitere Arten von Rakijas, die man genießen kann. Ich erinnere mich gern (obwohl nur schwach) an eine Rakija welche aus Oliven, vor vielen Jahren vom örtlichen Priester auf Hvar, gemacht wurde.

Letztes Jahr fragte ich meine Facebook-Freunde, aus Spaß, nach ihren extremsten Rakija-Erfahrungen. Es war so interessant, dass ich einen Artikel darüber schrieb.

Der Gewinner war zweifellos dieser Gentleman, dessen Gift (in diesem Fall möglicherweise wörtlich) oben und unten gezeigt wird.

Und Sie dachten, es gäbe keine Schlangen in Kroatien …

Man sieht sich…unter dem Tisch!

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